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Die Welt als Tweet und Vorstellung

Stephan Porombkas E-Book Über 140 Zeichen versammelt sechzehn Twitter-Poetologien

Von Nico Schulte-Ebbert

Ob Jack Dorsey voraussehen konnte, wie sich sein Kurznachrichtendienst Twitter entwickeln würde, als er am 21. März 2006 die simple Nachricht »just setting up my twttr« als allerersten Tweet absetzte? Daß Twitter inzwischen viel mehr als nur eine andere, eine digitale Live-Ticker-Plattform für jedermann ist, zeigen unzählige Kreative, die ›an den Grenzen der Timeline‹ twittern und so eine neue Art von Kommunikation, Kunst, Literatur erschaffen.

Sechzehn dieser kreativen Twitterer hat der Berliner Literatur- und Kulturwissenschaftler Stephan Porombka (sich selbst eingeschlossen) in einem im März 2014 beim Frohmann-Verlag erschienenen E-Book versammelt, um einen »Einblick in ihre Twitterwerkstatt« (so der Untertitel) zu bekommen, ihnen also quasi eine Selbstreflexion ihrer Twitter-Strategie, ihres Schreibens, Lesens und Kommunizierens abzuverlangen. Dabei kommt der Präposition über, die sich im Titel findet, besonderes Gewicht zu.

»Über 140 Zeichen« bezieht sich einerseits auf die simple Feststellung, daß die im vorliegenden E-Book versammelten Essays über die von Twitter vorgegebene 140-Zeichen-Begrenzung hinausgehen, also mehr oder länger als ein Tweet sind. Andererseits signalisiert das Über die Behandlung eines bestimmten Themas, wie man es von Titeln antiquiert klingender Studien kennt, von Ciceros De oratore etwa, von Nietzsches »Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne«, ja auch von Sloterdijks Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik – in diesem Falle also: Über Twitter oder: Über Tweets oder: Über das Twittern.

Bereits mit der Ambivalenz des Titels wird ein maßgeblicher Wesenszug Twitters deutlich: Der enge Raum, der zur Verfügung steht, wird durch Doppeldeutigkeiten, durch Wortspiele, ja sogar durch Verkürzungen aufgesprengt und erweitert: »Die Kunst: Komplexes andeuten und mit einer epischen Geschichte in wenige Zeichen eindampfen. Gähnend uninteressante Abläufe in dekorativer Sprache komplex aufblasen oder faszinierende Vorkommnisse mit derber Sprache minimalisieren.« (@Chouxsie) Autor und Leser, Twitterer und Follower finden hier, so könnte man sagen, eine Idylle vor, die Jean Paul in seiner Vorschule der Ästhetik als »Vollglück[] in der Beschränkung« definiert.

In dieser Idylle als »Twitterwerkstatt« blühen Gedanken, Welten, Sprache(n); der Mikrobloggingdienst wird zum »Mikromagazinleben« (@sinnundverstand), zum »Sprachkunstdienst« (@Chouxsie), zum »Jump-’n’-Run-Spiel« (@FrohmannVerlag). Und es ist gerade der Spielcharakter des Twitterns, das Twittern als (durchaus auch im Wittgensteinschen Sinne zu verstehendes) Sprachspiel, eine Praxis, in der mit und durch Sprache gespielt wird, was in allen hier versammelten Beiträgen als verbindendes und äußerst positives Hauptmerkmal durchscheint: Twitter als »Wir-Spielautomat«, als »Lernspiel«, als »Strategiespiel«, als »Open-World-Spiel«, als »Wir-Ego-Shooter-Spiel« (@FrohmannVerlag). Die sechzehn Autoren, von denen einige ihre Twitter-Maske auch in ihren Essays nicht absetzen und mit ihrer Kunstfigur in Dialog treten, mit einem anderen Ich spielen, es sprechen lassen (@NeinQuarterly hält sich in seinem Beitrag konsequent an die Raumbeschränkung und geht nicht ›über 140 Zeichen‹ hinaus), nennen Spiel, Zufall, Narzißmus als Tweet-Impetus: »Auf Twitter geht es für mich nur um eine Sache: mich selbst. Es ist das perfekte Medium für Menschen, die gleichermaßen narzisstisch und nur bedingt gesellig sind.« (@Wondergirl)

Zugleich geht es in den Mikro-Poetologien auch immer wieder um die Frage nach der Literarizität Twitters: »Dem Wesen nach aber sind Tweets eine Textform, die auf die nächste (oder fernste) Zukunft abonniert ist.« (@HansHuett) Nach dem Tod des Autors zeigt uns Twitter dessen Auferstehung in 140 Zeichen. @HansHuett sieht in Tweets die »nächste Literatur« emporsteigen: »Zusammenfügen, Kuratieren und Dichten«. Und auch @MannvomBalkon, dessen Twitter-Überlegungen äußerst gewinnbringend sind, erkennt in Tweets literarische Qualitäten: »Denn Twitter, diese ›nächste Literatur‹, ist ihrer Natur nach eine Literatur der Unruhe. Sie entsteht aus der Unruhe, sie beschreibt diese Unruhe und sie wird in der Unruhe rezipiert und kommentiert.« (@MannvomBalkon)

Neben der Frage nach Relevanz, der Suche nach Pointen, dem Umgang mit Sucht ist es eben die Flüchtigkeit, die das Twittern als neue Literaturform ausmacht: »Nebenbei ist Twittern nichts anderes als Kritzeln. Kritzeln mit Buchstaben. Das rasch Hingeworfene, nur mit wenigen Strichen Umrissene macht den Reiz aus. Für genaue Beschreibungen ist kein Platz. Hier ein Strich, dort ein Kritzel-Kratzel, zack – raus!« (@sinnundverstand) Dieses »Schreiben in nervösen Zeiten in einem nervösen Medium« (@Anousch) ist zudem oftmals maßgeblich vom Zufall geprägt. Im 36. Paragraphen seiner Morgenröthe schreibt Friedrich Nietzsche: »Und doch liegt auf der Hand, dass der Zufall ehemals der grösste aller Entdecker und Beobachter und der wohlwollende Einbläser jener erfinderischen Alten war, und dass bei der unbedeutendsten Erfindung, die jetzt gemacht wird, mehr Geist, Zucht und wissenschaftliche Phantasie verbraucht wird, als früher in ganzen Zeitläuften überhaupt vorhanden war.«

Eben den Zufall beschreibt @stporombka in seinem lesenswerten Werkstattbericht: »Es beginnt mit dem Zufall, der die Idee des Schicksals ablöst und lieber mit Wahrscheinlichkeiten, Risiken und den Fragen einer auf die Zukunft hin offenen Gegenwart umgeht.« (@stporombka) In einer Alltagsbeobachtung werden Licht und Schatten, Text und Bild miteinander verquickt, photographiert, getwittert; das Verbinden des Unverbundenen, das Zusammenbringen des Auseinanderliegenden, die Sichtbarmachung des Unsichtbaren – all dies ist Signum einer neuen Kunst, einer nächsten Literatur, einer morgigen Art des Präsentierens, Teilens, Kommentierens, die heute schon Alltag ist: »Die Kunst ist fasziniert davon, dass diese Bewegung auf spielerische Weise neuen Sinn erzeugt.« (@stporombka)

Und da ist es wieder: das Spiel, das Twitter ist, Twitter, das ein Spiel ist, »ein Spiel frei schwebender Aufmerksamkeit« (@HansHuett), was der Literaturwissenschaftler Roland Reuß in seiner 2012 erschienenen Meditation Ende der Hypnose. Vom Netz und zum Buch kritisiert: »›Online‹-Sein«, so Reuß, »bedeutet perforierte Aufmerksamkeit.« Man möchte diese negative Einschätzung der digitalen Welt im allgemeinen positiv auf Twitter im besonderen ummünzen: »Die Epen verpuffen, aber einen Gedanken, der das Beobachtete kondensiert, den kann ich behalten, umformen, immer weiter komprimieren, bis er in 140 Zeichen passt.« (@UteWeber) Hier und in anderen Beiträgen aus der »Twitterwerkstatt« kommt Konzentration zum Vorschein, Konzentration auf das Flüchtige, das einerseits schnell und ›im Flow‹, andererseits korrigiert, umgeschrieben, nachbearbeitet und erst über den Umweg des Entwürfe-Ordners getwittert wird, um ein möglichst perfektes Kunstwerk als ›Kunstzwerg‹ zu erschaffen: »Was ich gern möchte, ist ein gewisser eigener ›Twist‹ in den Tweets. Ein besonderer Reiz in der Formulierung, etwas Angeschärftes, etwas, das verdutzen lässt. Ein Bruch, ein Riss, eine Perspektivumkehr, ein Ebenenwechsel.« (@MannvomBalkon)

Interessant erweist sich die teils jahrelange Genese der Twitter-Autoren von einfachen Followern einfacher News- oder Promi-Accounts zu kreativen Wortführern mit eigenen Themen, eigener Sprache, eigenem Stil. So zeigen die Beiträge eindringlich, spielerisch, ja auch verrückt das Finden einer zunächst fremden Stimme auf, die im Twitter-Universum als die eigene adaptiert, gepflegt sowie stets ein-, um- und neugestimmt wird: »Die Kunst des Twitterns ist vielleicht, diesen Anfang zu überwinden, seine Stimme zu finden und seine Inhalte, dabei seiner Blase zu entkommen, neue Blasen zu finden und auch bei Zeiten bereit sein, sie wieder platzen zu lassen.« (@Milenskaya)

Der Leser erfährt in Über 140 Zeichen viel über unterschiedliche poetologische Konzepte, über Inspirationsquellen, Intentionen, Inhalte, Impulse und Interaktionen mit anderen Twitterern. Teilweise sind die Essays mit Tweets der jeweiligen Autoren durchsetzt, als anschauliche Beispiele einerseits, als Auflockerungen des Meta-Textes andererseits, was Lust am Text bedeutet und Lust auf Text oder präziser: Lust auf Tweets und das Twittern macht. Das Nachwort @stporombka’s, das ich mir als Vorwort gewünscht hätte, überzeugt als Skizze poetologischer Reflexionen, als historischer Blick auf den Umgang mit und den Einblick in die Werkstatt des Autors vom 18. Jahrhundert bis in die digitale Gegenwart, in der der Literatur- und Textbegriff erweitert wird und sich harscher Kritik, ja geradezu »Bremsversuchen« ausgesetzt sieht: »Statt mit den neuen Formen zu experimentieren und auch ihre kritischen, widerständigen Möglichkeiten zu testen, wird jeder, der online ist und postet, twittert, faved oder liked, erstmal darauf verpflichtet, das schlechte Gewissen zu haben, nichts Sinnvolles zu tun und mehr noch: an der kulturellen Sinnentleerung teilzuhaben.« (@stporombka)

Als Abschluß des E-Books finden sich »Twitterbiografien«, die genauer als »Twittererbiographien« bezeichnet werden müßten, aus denen hervorgeht, daß sich einige der hier vorgestellten Autoren bereits mit eigenen Veröffentlichungen ›über 140 Zeichen‹ hervorgetan haben oder noch hervortun werden. Dies verspricht nicht weniger spannend zu sein als die hier vorgestellten Mikro-Poetologien des Twitterns: »Wie ich Tweets verfasse, kann ich kaum beschreiben. Sie kommen oder sind schon da. Wie soll ich den Geburtsort wüster Gedankenblitze beschreiben?« (@Chouxsie)

Über 140 Zeichen. Autoren geben Einblick in ihre Twitterwerkstatt
Hg. Stephan Porombka
Berlin: Frohmann, 2014
E-Book (ePub, mobi, pdf)
Preis: EUR 2,99
ISBN: 978-3-944195-24-7

 

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Das digitale Böse

Gedanken zu Sascha Lobos »Die digitale Kränkung des Menschen«

Von Nico Schulte-Ebbert

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Sascha Lobo fühlt sich in seinem am 12. Januar 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlichten Artikel »Die digitale Kränkung des Menschen« zutiefst getäuscht und nicht minder enttäuscht; die Ausmaße der geheimdienstlichen Spähaktionen habe er unterschätzt. Er spüre nach Snowdens Aufklärung Kränkung, Verstörung, hilflose Wut. Das wahre Gesicht der digitalen Welt habe sich nunmehr gezeigt, die Maske sei gefallen und also die Wahrheit ans Licht gekommen. Dieses Wissen, diese Wahrheit scheint zu kränken.

Den Ausgangspunkt der Loboschen Reflexionen bilden die von Sigmund Freud im Jahre 1917 identifizierten drei Kränkungen der Menschheit, namentlich die kosmologische (der Mensch ist nicht länger Mittelpunkt des Universums), die biologische (der Mensch stammt vom Affen ab) sowie die psychologische (das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus). Neben diversen anderen Kränkungen (etwa der ökonomischen oder der neurobiologischen), die nach Freud geprägt worden sind, will Lobo nun eine vierte Kränkung für sich beanspruchen: »die digitale Kränkung der Menschheit, der größte Irrtum des Netzzeitalters«.

Eine Kränkung ist eine unangenehme, krankmachende Empfindung; sie schwächt, plagt, beleidigt, quält, verletzt, beschädigt. Bereits die Freudsche Verwendung des Begriffs mutet eigenartig, ja übertrieben an: Raste tatsächlich ein Kränkungstsunami um die Welt, nachdem Kopernikus, Darwin oder Freud dem Menschen eine Nebenrolle im Existenzschauspiel zugewiesen hatten? Und fühlte sich der Otto-Normal-Internet-User nach den Snowdenschen Enthüllungen tatsächlich gekränkt? Lobo relativiert: »Die tiefste Kränkung aber hat eine Gruppe erfahren, der ich angehöre: die Netzgemeinde, die Hobby-Lobby für das freie und offene Internet, vielleicht dreißigtausend Leute in Deutschland.«

Neben dieser »Hobby-Lobby« sieht Lobo auch die Politik und die Wirtschaft als gekränkt an. Lieschen Müller dürfte allerdings nicht mehr als Überraschung, vielleicht Empörung, bestenfalls Desillusionierung, also eine durchaus positive, aufrüttelnde und das eigene digitale Handeln reflektierende Ent-täuschung verspüren – wenn überhaupt, denn Lieschen Müller hat ja nichts zu verbergen, und daß sie nicht der Mittelpunkt der Welt ist, stört sie in der Regel auch nicht sonderlich. Ja, »[d]ie fast vollständige Durchdringung der digitalen Sphäre durch Spähapparate aber hat den famosen Jahrtausendmarkt der Möglichkeiten in ein Spielfeld von Gnaden der NSA verwandelt«, so Lobo, doch die »Chockwirkung« (Walter Benjamin), die die Internet-Aura zerstört, äußerst sich lediglich als Minimalausschlag des menschheitsgeschichtlichen Seismographen.

Oder doch nicht? Ist diese vierte Kränkung der Menschheit groß genug, einschneidend genug, bedeutend genug, um sie als ein drittes Beben nach 1755 und 1945 zu bezeichnen? Muß dem natürlichen Bösen und dem moralischen Bösen, das in Lissabon und Auschwitz offenbar wurde und dem Susan Neiman 2002 eine lesenswerte »andere Geschichte der Philosophie« gewidmet hat, das digitale Böse von Fort Meade beigestellt werden? Darf man überhaupt eine Naturkatastrophe mit den überdimensionalen Greueltaten des Zweiten Weltkrieges und den abstrakten Algorithmen eines globalen Panoptikums vergleichen?

Lobo wagt einen kleineren Schritt: »Und dann diese Ironie, nein, diese Verhöhnung des Schicksals: Edward Snowden, Held des Internets, bringt die Botschaft, dass mit dem geliebten Internet die gesamte Welt überwacht wird. Diese Kränkung ist so umfassend, als sei die Heimat Internet über Nacht in ein digitales Seveso verwandelt. Wütende Proteste gegen diese Vergiftung und ihre Urheber, natürlich.« Das Dioxin-Unglück des Jahres 1976, das als eines der größten europäischen Umweltkatastrophen gilt, spiegelt sich in der Kontaminierung des Internets durch PRISM und Tempora.

Doch vielleicht haben Lobo und Freud mit ihrem Gekränkt-Sein recht. Vielleicht ist diese vierte Kränkung des Menschen ja vielmehr dessen erste, da sie den Menschen, das Individuum, den Einzelnen wirklich betrifft, zumindest ihn betreffen kann: Die Welt ist nicht länger Mittelpunkt des Universums, der Mensch ist nicht länger Mittelpunkt der Welt, 2013 scheint er zurückzukehren in eben dieses schon vor Jahrhunderten verlorengegangene Zentrum. Der Mensch steht wieder im Mittelpunkt; endlich, möchte man sagen. Doch er steht im Mittelpunkt einer Überwachungs-, Kontroll- und Bestrafungsmacht, die Gottes Leerstelle einzunehmen scheint, nicht als metaphysisches Wesen, sondern als konkrete Institutionen mit metaphysisch anmutenden, unkontrollierbaren, verselbständigten, hochkomplexen Spionagemechanismen.

Die menschliche Selbstdegradierung als Selbstdezentrierung ist einer digitalen Fremdfokussierung gewichen. Das Leiden, das Unwohlsein, ja auch die Kränkung ist in beiden Positionen vorhanden. Gott ist tot, der Mensch ist tot, das Ich ist tot. Die vierte von Lobo beschriebene und durchlittene Kränkung resultiert aus der Reanimation Gottes, um die besten aller möglichen Welten zu überwachen, des Menschen, um ihn in der analogen und des Ichs, um es in der digitalen Welt faßbar, auswertbar, kontrollierbar zu machen. Die digitale Zufriedenheit ist verlorengegangen. Nun fühlt sich die »Hobby-Lobby« enttäuscht, geschockt und gekränkt, nicht weil wir an die Peripherie gedrängt, sondern vielmehr weil wir zurück ins Zentrum gezogen worden sind.

Wie trösten wir uns nach diesen Enttäuschungen, Schocks, Kränkungen? Sigmund Freud hat in seiner Schrift »Das Unbehagen in der Kultur« drei Quellen genannt, aus denen Leid entstehe: »die Übermacht der Natur, die Hinfälligkeit unseres eigenen Körpers und die Unzulänglichkeit der Einrichtungen, welche die Beziehungen der Menschen zueinander in Familie, Staat und Gesellschaft regeln«. Natur, Körper und soziale Beziehungen – diese drei Größen müssen mit den digitalen Beziehungen, den globalen Vernetzungen, der Schöpfung einer zweiten Welt ergänzt werden. Lobo rät: »Den Irrtum eingestehen, den Schmerz der Kränkung aushalten, denn dieser Tiefpunkt kann nicht, darf nicht das Ende sein. Das Internet ist kaputt, die Idee der digitalen Vernetzung ist es nicht. Die Indianer mussten irgendwann begreifen, dass die von den Eroberern geschenkten schönen Textilien verseucht waren mit Krankheitserregern. Das hat das Konzept Kleidung nicht schlechter gemacht.«

Kleidung – Gewebe – Text – Hypertext. Komplexe Vernetzungen wohin man blickt! Unmögliche Voraussagen. Unkontrollierbare Prozesse. Verklärte Aufklärung. Marco Wehr forderte am 7. Januar 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift »Die Kompetenzillusion« einen »mathematical turn« für das 21. Jahrhundert. Wie wertvoll sind Prognosen? Wie genau können sie sein? Lobos Kränkung rührt gerade auch von der eigenen Expertenblindheit her: »Das Internet ist nicht das, wofür ich es so lange gehalten habe«, schreibt er gleich zu Beginn seines Artikels mit spürbarer Resignation. Wir müssen mit der Kränkung des Wieder-im-Zentrum-Stehens umzugehen lernen, ohnmächtig vielleicht, aber keineswegs ohne Hoffnung.

Before You Straighten Up Your Desk, Read This

May the desk be with you!

Health & Family

In the dystopian future, there will only be two tribes: those with messy desks and those with orderly ones. The messy desk people will live unhealthy and inefficient lives but come up with interesting new ideas. The organized desk people will be fit and get all their work done. At least, that’s one possibility if the results of a new study hold up.

The research, which was published in the journal Psychological Science in August, set out to examine how messy desks affect people. The scientists, fully aware that entire management businesses have have been built around the desktop disarray vs. table tidiness wars, wanted to analyze how people react to the mess around them, not whether they were inherently messy people.

So in a series of experiments, the researchers plopped a set of volunteers down in front of messy desks and a different set in front of tidy ones…

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