»Some are dead and some are living«: Vor fünfzig Jahren starb der »fünfte Beatle« Stuart Sutcliffe

Als die Beatles am 17. August 1960 in Hamburg auftraten, handelte es sich um eine Premiere im doppelten Sinne. Zum ersten Mal spielte die Liverpooler Gruppe unter dem Namen »The Beatles«, und zum ersten Mal spielte sie mit dem (1962 gegen Ringo Starr ausgetauschten) Schlagzeuger Pete Best. Die endgültige Namensgebung und die Rekrutierung Bests brachten ein weiteres Novum mit sich, denn die späteren »Fab Four« bildeten so zunächst ein Quintett: Die frühen Beatles, das waren John, Paul, George, Pete – und Stu.

Stuart »Stu« Fergusson Victor Sutcliffe, am 23. Juni 1940 im schottischen Edinburgh geboren, war Bassist und ältestes Mitglied einer Band, der er nie richtig angehören wollte. Musik war für ihn eher Zeitvertreib als Leidenschaft; seine Welt war die der Kunst, sein eigentlicher Bass der Pinsel. Am Liverpool College of Art hatte er sich mit John Lennon angefreundet, auf dessen Anraten er bald darauf Besitzer einer Bassgitarre geworden und der Combo Lennon-McCartney-Harrison beigetreten war.

Glücklich wurde er damit nicht. Der schüchterne, gutaussehende, junge Mann stand häufig mit dem Rücken zum Publikum, damit dieses sein schlechtes Bassspiel nicht sehen konnte. Mit seinem schwarzen Bekleidungsstil und der dunklen Sonnenbrille setzte Sutcliffe allerdings persönliche Akzente, die ihn zum wohl geheimnisvollsten Mitglied der aufstrebenden Gruppe machten. Im Hamburger »Kaiserkeller« weckte seine Jamesdeanhaftigkeit schnell das Interesse der Fotografin Astrid Kirchherr. In ihr fand er eine Seelenverwandte, mit der er das Erscheinungsbild der frühen Beatles entscheidend prägte.

1961 verließ er – inzwischen mit Kirchherr verlobt – die Band, um sich verstärkt seiner Kunst zu widmen. Als talentierter Maler wird er dem abstrakten Expressionismus zugerechnet. Noch immer fehlt es leider an Darstellungen dieses kurzen, doch um so intensiveren Künstlerlebens. Obwohl sein Leben als Beatle in den großen Bandbiografien einen recht beachtlichen Umfang ausmacht, ist der Künstler Sutcliffe nur eine Randnotiz in der Geschichte.

Während es Pete Best schließlich bis in die Londoner Abbey Road Studios schaffen sollte, kam Stuart Sutcliffe, nach seinem letzten Aufenthalt im Summer 1961, nicht mehr nach England zurück: Am 10. April 1962 starb er – ähnlich wie John Lennon 18 Jahre später – auf dem Weg in ein Hamburger Krankenhaus nach langen, intensiven Kopfschmerzen an einer Hirnblutung. Er wurde 21 Jahre alt. Auch wenn er zur Musikgeschichte nichts beigetragen hat, ist er dennoch Teil ihrer Legende.

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