Von den Anfängen

Schnell und pfeifend wie eine Silvesterrakete verflüchtigen sich die ersten guten Vorsätze für das neue Jahr beim nachmittäglichen Kaffee mit Kuchen und Weihnachtsresteplätzchen. Nicht alle mögen die Zwetschgen, die den Boden so aufweichen. Ohnehin sind gebackene oder gekochte Früchte und Obst jeglicher Provenienz nichts für den puristischen Magen so mancher Zeitgenossen.

Selbige haben die Zeit um den Jahreswechsel ganz und gar nicht genossen, wurde ihr so leichter Schlaf durch bombastisches Geböller sabotiert. Es ist vielfach eine ungeheure Übertreibung, die da in den eiskalten Nachthimmel geschossen wird. Ein Feuerwerk, das, wie das gemeinhin als das größte weltweit apostrophierte an der Sydney Harbour Bridge, aus einer achtmonatigen Vorbereitung hervorgegangen ist, braucht die Welt nicht. Und noch das kleinste familiäre oder postpubertäre Herumgekrache kann sich bis in die frühen Morgenstunden ziehen. So beginnt der Neujahrsmorgen mit Übelkeit und Kopfschmerzen, auch ohne einen Schluck Alkohol konsumiert zu haben.

Andere weniger sensible Schläfer ratzen die ganze Nacht problemlos durch, bauen jedoch Außerträumliches geschickt in ihre Träume ein: Queen Elisabeth II wurde bei Studentenrandalen am Piccadilly Circus desorientiert unter die Arme gegriffen, um sie selbstlos und auf schnellstem Wege zum Buckingham Palace zu bringen. Von der Polizei konnte man keine Hilfe erwarten: »Die sieht nicht mal wie die Queen aus!« Auf dem Weg durch ein Hyde-Regents-Green-Park-Konglomerat erfährt man von der Monarchin, daß sie Pink Floyd nicht kennt, Paul McCartney und ganz besonders seinen Song »The Long and Winding Road« jedoch ganz bezaubernd findet. An den Toren Buckinghams angekommen, erschüttert eine Explosion den so gediegenen Traum: eine Silvesterrakete verschafft sich rüde Zugang zum Unterbewußtsein des Träumenden. Doch der schläft den Schlaf der Gerechten weiter, während sie sich von einer auf die andere Seite wälzt. Glücklicherweise hat jede Nacht ihr Ende.

Während abwechselnd Neujahrsspringen und -konzert über den Bildschirm flackern, werden eiligst Telefonate geführt und SMS beantwortet, die in den seltenen Ruhephasen zwischen zwölf und drei in der Nacht eingetrudelt waren. Und ehe man sich versieht, kommt Oma zum Kaffeetrinken vorbei. Sie bringt die wohl kleinste Krippe der Welt mit, die kurz nach den Weihnachtstagen irgendwie zerbrochen ist. Gar kein Problem für den handwerklich geschickten Nachwuchs: der Stall wird kongenial mit Streichholzpilastern repariert. Dabei wird penibelst darauf geachtet, daß die Köpfe nicht mit verbaut werden, da sonst Jesu Geburtsstätte in Windeseile in Flammen aufgehen könnte. Nachdem man Oma zurück nach Hause gebracht hat, zerbricht man sich den Kopf bei »Trivial Pursuit«, das schnell den Charakter eines Spiels zugunsten harsch geführter Familienfehden einbüßen kann. »Die Frage ist nicht eindeutig gestellt!« Am Ende trennt man sich mit einem fairen Unentschieden, ohne allerdings den Termin für eine möglichst schnelle Revanche zu vergessen: »Morgen, ja, morgen schlag ich dich!«

Der 1.1.11 – ein recht ruhiger erster Tag eines sicherlich überraschenden Jahres. Seien wir gespannt, was es zu bieten hat…

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