… nicht ganz zu Ende geboren

»Man macht sich nur selten klar, wieviel das, was man Hochkultur nennt, dem Typus des leistungsfähigen Trauernden verdankt, bei dem sich die durchschlagende Allianz von Melancholie und Unternehmenskraft manifestiert. In heutiger Terminologie würde man Charakterbilder dieser Art am ehesten dem Umkreis schizoider Strukturen zurechnen. Sie sind für Menschen bezeichnend, die, psychoanalytisch gesprochen, nicht ganz ›zu Ende geboren‹ sind. Für sie ist nichts normaler als der Abstand von jeder Normalität. Ihr Realismus zeigt sich in der Neigung, sich in den Halbwelten der Rêverie zu bewegen. Indem sie ihrem Hang folgen, sich in Gehäuse aus Launen und Vermutungen einzuspinnen, bringen sie zuweilen weltbewegende Erleuchtungen an den Tag.« (Peter Sloterdijk, Scheintod im Denken. Von Philosophie und Wissenschaft als Übung)

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