Das Moorwiesenland

Verloren in einem Gedankengebäude grenzenloser Sinneswahrnehmungen taumelte ich durch die Moorwiesen auf einen Wombat zu, der mit leiser Stimme »Ins Erdreich« sang. Ich bemerkte in der Nähe einen unendlich monochromen regen Bogen, der an seinem Ende einen Trost preisgab und eine leere Versprechung in der Hand hielt. Links und rechts von ihm Sprossen Leitern aus dem Boden, mit deren Hilfe man den Bogen überspannen konnte. Die Moorwiesen wurden von siebzehn Schwarzafrikanern kultiviert, die hart für die Wiesen und Devisen arbeiteten und alles dafür taten, dass der Wombat stets einen Stimmzettel hatte, um weiter singen zu können. Ein altes Ehepaar saß auf einer Sandbank im Schatten eines mächtigen Purzelbaumes und pflückte die saftigen Glühbirnen, die goldgelb in der Sonne strahlten. Die Luft war klang geschwängert und duftete intensiv nach Farben: gelb, ein wenig blau, doch vor allem grün. Ich Saphir Edelsteine in einem grünen Zylinder, die heimlich von vier Clownsklauen geklaut wurden. Auf einem nahe gelegenen Berg pflanzten einige Stiefmütterchen Neurosen ein, die dem Moorwiesenland einen großen Komplex verschafften. Vor zwanzig Jahren wachte Sgt. Pepper an dieser Stelle über Trauben von einsamen Herzen, die in einem idyllischen Wein-Garten ihren Tränen freien Lauf ließen und dadurch eine melancholische Welt aus Seufzern kreierten. Am purpurfarbenen Horizont, der von Myriaden Gärtnern nach und nach erweitert wurde, erkannte ich eine fliegende Kuh, die in einer Kaffeetasse verschwand. Im Westen zog eine Gewitterfront heran, die von einem Primadonna begleitet wurde. An der Küste küsste das blaugrüne Meer liebevoll den blendenden Sand, während unweit ein Schiff von einem Apfelstrudel in die Tiefe gezogen wurde. Eine blinde Sehnixe faxte luchsenden Lachsen und fuchsig fixen Füchsen laxe Faxe. Am nahen Waldrand formten Heerscharen Terrakottakrieger – aus eigenem Ton! – eine Million Grad heiße Sonnenuhr, die zur Abkühlung in eine enge Windhose gesteckt werden musste. Auf einer schmalen Furt konnte eine Künstlergruppe nur mit Müh’ und Not van Goghs abgeschnittenes exorzieren. Hinter mir erkannte ich Caesar und Kleopatra, die sich lautstark auf einem römischen Streitwagen stritten. Beide überquerten ein frisch bestelltes Feld, das niemand abholen wollte. Auf diesem Feld schlug einst ein Bauer den Zaunkönig und setzte dadurch das morsche, monarchische System revolutionär schachmatt. Doch das ist lange her. Heutzutage gibt es im Moorwiesenland weder Kriege noch Krankheiten, denn dafür hat man keine Zeit. Alle leben in Harmonie und Freundschaft und wenn es nicht so schrecklich sumpfig gewesen wäre, hätte ich meinen Aufenthalt noch verlängert. Aber ich musste weiter … weiter … weiter …

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