… und der Blinde weint

An diesem Ort, an dem niemand für mich antworten kann, in dem absoluten Schweigen, in dem ich mir zugewandt bleibe, möchte ich das Risiko eines carnival of lights eingehen. Die Zeit zwischen der Nacht und dem Morgen, der Dunkelheit und dem Licht, dem Träumen und dem Wachen lässt ein Flüstern zu, ein scheues Erheben aus der Vergangenheit, vierzig Jahre und mehr. Ein Zuweit an Masse, ein Zuviel an Wahn – der Gedanke bleibt ein offenes Geheimnis, dessen Folgen als Einschnitt im Gegebenen verletzend wirken. Das Scheinbare bleibt im Wirklichen entborgen, das Wahre ist die jenseitige Absonderung einer Illusion. Im Schweigen verharren wir Äonen, reitend auf den Wellen des Immerda. Die Tage verfliegen. Die Stunden zerdehnen die Konsistenz des Wir, in dem der eine für den anderen signiert. Es gibt immer einen, der mehr, der länger lebt. In den verwobenen Nebeln eröffnet sich uns der Andere als ein schwarzes (S)Ich. Car Je est un autre:

»I looked in the mirror and saw at once it wasn’t me. It wasn’t my face. It was someone else pretending to be me. Or perhaps it was someone else pretending to be someone else. But the face was not my face. It wasn’t the face I was born with nor the face I shall die with. Although the face looked back at me as if it knew me. The eyes wouldn’t let go. They were piercing. But they weren’t my eyes. They were someone else’s eyes. They were black. A girl I knew once told me her eyes were blue. That’s what she said anyway. Always took a catnap between lunch and tea. She lived somewhere off Fulham Broadway. I never went there. I of course had a room in St. John’s Wood High Street at the time. We used to meet on Shepherd’s Bush Green. I no longer remember her name. It could have been Lucy or Lisa. But that is all in the past. She wouldn’t recognise me now anyway. I’ve changed my face.« (Harold Pinter: »The Mirror«, Created on Tuesday 26th June 2007 11:20 am)

Mir wachsen Flügel. Sonst nichts. Ich erreiche das unentdeckte Land im Mantel der Geschichte, entgrenzt und vogelfrei. Meine Kindheit ist gestorben, doch im Blick, der kein Alter kennt, lebt sie weiter. Und es wurde mir klar, dass die Dinge, die zerstört werden können, gut sind. Geburt, Denken, Tod: das Leben. Der Rest ist Anekdote.

Der Ort, an dem ICH schwach sein darf.

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